Montag, 9. Februar 2009

Geschmackssache

Die Sonne hat uns hier in Bukarest nach einem zweitägigen Kurzaufenthalt wieder verlassen und den Regen zurück geschickt. Darüber bin ich ziemlich entsetzt, denn die zwei Tage, die sie uns mit ihrer Anwesenheit beglückte, waren die ersten seit zweieinhalb Wochen. Also fiel mein Plan, eine Foto-Tour durch Bukarest zu machen und die Stadt von ihrer besten Seite – nämlich bei blauen Himmel und warmen Sonnenlicht – festzuhalten, aus.

Stattdessen ging ich mit Ana ins Nationale Museum für Zeitgenössische Kunst und hab in Schnappschüssen das festgehalten, was auf dem Weg liegt. Das Museum befindet sich im „Casa Poporului“, dem „Haus des Volkes“, dem Parlaments-Palast im südlichen Stadtzentrum. Das Haus ist einer der besten Beweise für Ceausescus gigantomanische Allmachtsphantasien: Der Palast besteht aus 1.100 Räumen, ist 270 mal 240 Meter lang und breit, 86 Meter hoch und 92 Meter tief (!). Größer ist laut dem Guiness-Buch der Rekorde nur noch das Pentagon in den USA. Bei diesen Ausmaßen bietet sich der Gebäudekomplex als multifunkionaler Ort serh gut an. Er ist Sitz des Parlaments und berherbergt einige Museen. Angesichts seiner riesigen Ausmaße verwundert es ein bisschen, dass der Palast nie fertig gebaut wurde. Der "Conducator", nach dem das Haus mit Ceausesc-Palace eigentlich benannt werden sollte, wenn man ihn nicht gestürzt und hingerichtet hätte, hätte zum Beispiel noch gern eine Turmuhr gehabt.

Ich verspäte mich um 15 Minuten zu unserem Treffen, weil ich nicht bedacht habe, dass ich noch einen Kilometermarsch um den Palast herum ablegen muss, um letzten Endes zum Museum zu gelangen.


Die Ausstellung, die wir uns ansehen, zeigt die Kunstwerke, die historische Ereignisse oder die Werke anderer Künstler neu interpretieren. Rumänische Künstler sind dabei leider nicht vertreten (, dafür allerdings überproportional oft ein slowakischer Künstler namens Janez Jansa.) Bereits vor einer Woche habe ich einen Versuch unternommen, mit zeitgenössischer rumänischer Kunst leibhaftig in Berührung zu kommen. Ich las von einer „Galeria Noua“ (neue Galerie), die mir sehr aufschlussreich erschien. Als wir dort ankamen, fanden wir keine kontroversen Videoinstallationen vor, sondern anstrengend versöhnliche Bilder von Blumen und Stillleben. Etwas verdutzt bewegten Raul und ich uns in den Räumen, unentschlossen darüber, ob wir gleich gehen oder doch noch ein bisschen Interesse heucheln sollen. Schließlich fragte ich die Hobbymalerin nach der Galeria Noua, die sich an diesem Ort doch eigentlich befinden sollte.

Neben ihren Bildern wiesen mich auch der rosafarbene Strickpulli und die zu einem Dutt gebundenen Haare der etwa Mitfünzigerin daraufhin, dass sie nicht zu den Menschen gehörte, die an zeitgenössischer Kunst interessiert sind. Freundlich erklärte sie mir, dass die Galeria Noua schließen musste, weil sie keinen Anklang fand. Ich wurde stutzig. „Die rumänischen Leute mögen so eine Art von Kunst nicht. Diese Video-Installationen… Leute wie Sie, Touristen, die haben sich das angeguckt. Aber Rumänen…nicht.“, erzählte sie in gebrochenem Englisch. Aha…?! Dann versuchte sie mich in ein Gespräch über deutsche Impressionisten zu verwickeln und ich wurde den Eindruck nicht los, dass sich mich in Bezug auf meinen Kunstgeschmack gern bekehren wollte. Etwas niedergeschlagen trat ich aus der Galerie und beschloss, den direkten Weg zu gehen und ein paar Künstler anzuschreiben, von denen mir einer versicherte, dass die Galeria Noua beim besten Willen nicht über Mangel an Interesse klagen konnte, im Gegenteil. „The underground does exist, I’m sure you’ll find it“, schreibt er. Na, dann mal los.

1 Kommentar:

  1. Echt, dein Kunstgeschmack!!! Videoinstallationen!! Demnächst willst du die Slubicer Straßenkünstler auch noch in Romania's dörfer schicken oder gar mit van hagen den Untergrund erschrecken! Ts ;-)

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