
Eine Tradition beginnt meist mit einer Legende. Eine rumänische Tradition, an der ich während meines Aufenthalts hier teilnehmen durfte, ist die der Martisor (gesprochen Marzischor). Das Wort leitet sich von dem rumänischen Wort für März ab und lässt sich folglich als „Märzchen“ übersetzen.
Am 1. März erhalten die Frauen hier ein kleines Schmuckstück, das mit einem rot-weißen Schnürchen versehen ist. (Diese rechts auf dem Bild hat eine Bekannte von mir angefertigt. Roxana studiert eigentlich Architektur. Ich finde, sie sollte Kunst machen: www.radegalusca.blogspot.com) Mit den Märzchen wird die Rückkehr des Frühlings gefeiert und man wird in der ersten Märzwoche kaum eine Frau finden, die kein Märzchen an der Brust trägt. Es ranken sich viele Legenden um die Entstehung der Tradition. Eine, die meiner Kollegin Ana das Herz erweicht hat, geht so:
Eines Tages sei die Sonne in Gestalt eines Jünglings auf die Erde gekommen, um an einem Dorffest teilzunehmen. Ein böser Drachen habe den Jüngling entführt, eingekerkert und so der gesamten Natur großen Schaden zugefügt. Die Flüsse seien nun nicht mehr geflossen, die Vögel verstummt und die Kinder hätten aufgehört zu lachen.
Niemand habe gewusst, was zu tun sei, bis ein junger, starker Mann voll der Kraft aller Menschen ausgezogen sei, mit dem Drachen zu kämpfen und die Sonne zu befreien. Die Reise des Tapferen habe drei Jahreszeiten gedauert: Sommer, Herbst und Winter. Am Ende des Winters sei er zum Schloss des Drachen gelangt, habe gekämpft und das Ungeheuer schließlich besiegt. Doch schwer verwundet sei es ihm nur gerade so gelungen, die Sonne aus dem Kerker zu befreien, bevor er selbst starb.
Tropfen seines Blutes seien auf den Schnee gefallen, die befreite Sonne aber jetzt zum Himmel empor gestiegen und habe den Frühling angekündigt, was viel Freude in die Herzen aller Erdenmenschen brachte. Seither, flechten die Jungen zwei Schnüre, eine rote und eine weiße und schenken sie den Mädchen, die sie lieben und den Frauen, denen sie nahe stehen. Rot steht für die Liebe zu allem Schönen und erinnert an das Blut des Drachentöters. Weiß steht für Gesundheit, für die Reinheit des Schneeglöckchens und erinnert an den Schnee, der zu Beginn des Frühlings stellenweise noch die Erde bedeckt.
Das ist nur eine von vielen Legenden. Ich habe auch gehört, dass es ursprünglich Frauen waren, die die rot-weißen Bänder flechten, um sie an die Männer zu verteilen. Die Martisor-Tradition gibt es übrigens auch in Bulgarien. Dort behauptet man, es gebe sie nur dort. In Rumänien hat man allerdings auch keine Ahnung, dass das Nachbarland einen ähnlichen Frühlingsbrauch pflegt... oder man ignoriert es.
Die Märzchen-„Feierlichkeiten“ dauern etwa ein bis anderthalb Wochen an. Das bedeutet von Ende Februar bis zum 8. März säumen Holzstände die Straßenränder Bukarests und anderer Städte. Händler verkaufen Schmuck und Nippes in rot – weiß. Interessanter und vor allem schöner, weil in der Regel selbst gemacht, sind jedoch die Ohrringe, Ketten und Magnete auf den eigens dafür organisierten Märzchen-Messen. Vor allem junge, künstlerisch sehr begabte Leute verkaufen hier ihren handgemachten Schmuck.

Eine Tradition kommt selten allein: Man hat mir mehrfach versprochen, dass der Frühling hier pünktlich zum ersten März eintritt. Und damit er sich auch willkommen fühlt, müsse auch ich ein Märzchen tragen. Ich wollte nichts riskieren und kam dem Brauch nach. Dann erzählte man mir, dass die ersten sechs, acht, vielleicht auch elf Tage des Monats März die Tage der alten Weiber seien. Diese würden in dieser Zeit ihre Launen ausleben. Mal Sonne, mal Regen. Ich müsse mir einen Tag auswählen und je nachdem, wie das Wetter sei, so würde mein Jahr werden. Heiter, bewölkt, durchwachsen. Natürlich darf dabei nicht geschummelt werden. Den Wetterbericht vorher anzuschauen, wirkt sich vermutlich negativ auf mein Jahresglück aus.
Ich habe kein Wetterbericht geschaut, mich aber relativ spontan für einen Tag entschieden. Vormittags war es sonnig heiter, nachmittags bewölkt mit Niederschlag. Ein ganz normales Jahr also.
Am 1. März erhalten die Frauen hier ein kleines Schmuckstück, das mit einem rot-weißen Schnürchen versehen ist. (Diese rechts auf dem Bild hat eine Bekannte von mir angefertigt. Roxana studiert eigentlich Architektur. Ich finde, sie sollte Kunst machen: www.radegalusca.blogspot.com) Mit den Märzchen wird die Rückkehr des Frühlings gefeiert und man wird in der ersten Märzwoche kaum eine Frau finden, die kein Märzchen an der Brust trägt. Es ranken sich viele Legenden um die Entstehung der Tradition. Eine, die meiner Kollegin Ana das Herz erweicht hat, geht so:
Eines Tages sei die Sonne in Gestalt eines Jünglings auf die Erde gekommen, um an einem Dorffest teilzunehmen. Ein böser Drachen habe den Jüngling entführt, eingekerkert und so der gesamten Natur großen Schaden zugefügt. Die Flüsse seien nun nicht mehr geflossen, die Vögel verstummt und die Kinder hätten aufgehört zu lachen.
Niemand habe gewusst, was zu tun sei, bis ein junger, starker Mann voll der Kraft aller Menschen ausgezogen sei, mit dem Drachen zu kämpfen und die Sonne zu befreien. Die Reise des Tapferen habe drei Jahreszeiten gedauert: Sommer, Herbst und Winter. Am Ende des Winters sei er zum Schloss des Drachen gelangt, habe gekämpft und das Ungeheuer schließlich besiegt. Doch schwer verwundet sei es ihm nur gerade so gelungen, die Sonne aus dem Kerker zu befreien, bevor er selbst starb.
Tropfen seines Blutes seien auf den Schnee gefallen, die befreite Sonne aber jetzt zum Himmel empor gestiegen und habe den Frühling angekündigt, was viel Freude in die Herzen aller Erdenmenschen brachte. Seither, flechten die Jungen zwei Schnüre, eine rote und eine weiße und schenken sie den Mädchen, die sie lieben und den Frauen, denen sie nahe stehen. Rot steht für die Liebe zu allem Schönen und erinnert an das Blut des Drachentöters. Weiß steht für Gesundheit, für die Reinheit des Schneeglöckchens und erinnert an den Schnee, der zu Beginn des Frühlings stellenweise noch die Erde bedeckt.
Das ist nur eine von vielen Legenden. Ich habe auch gehört, dass es ursprünglich Frauen waren, die die rot-weißen Bänder flechten, um sie an die Männer zu verteilen. Die Martisor-Tradition gibt es übrigens auch in Bulgarien. Dort behauptet man, es gebe sie nur dort. In Rumänien hat man allerdings auch keine Ahnung, dass das Nachbarland einen ähnlichen Frühlingsbrauch pflegt... oder man ignoriert es.
Die Märzchen-„Feierlichkeiten“ dauern etwa ein bis anderthalb Wochen an. Das bedeutet von Ende Februar bis zum 8. März säumen Holzstände die Straßenränder Bukarests und anderer Städte. Händler verkaufen Schmuck und Nippes in rot – weiß. Interessanter und vor allem schöner, weil in der Regel selbst gemacht, sind jedoch die Ohrringe, Ketten und Magnete auf den eigens dafür organisierten Märzchen-Messen. Vor allem junge, künstlerisch sehr begabte Leute verkaufen hier ihren handgemachten Schmuck.
Eine Tradition kommt selten allein: Man hat mir mehrfach versprochen, dass der Frühling hier pünktlich zum ersten März eintritt. Und damit er sich auch willkommen fühlt, müsse auch ich ein Märzchen tragen. Ich wollte nichts riskieren und kam dem Brauch nach. Dann erzählte man mir, dass die ersten sechs, acht, vielleicht auch elf Tage des Monats März die Tage der alten Weiber seien. Diese würden in dieser Zeit ihre Launen ausleben. Mal Sonne, mal Regen. Ich müsse mir einen Tag auswählen und je nachdem, wie das Wetter sei, so würde mein Jahr werden. Heiter, bewölkt, durchwachsen. Natürlich darf dabei nicht geschummelt werden. Den Wetterbericht vorher anzuschauen, wirkt sich vermutlich negativ auf mein Jahresglück aus.
Ich habe kein Wetterbericht geschaut, mich aber relativ spontan für einen Tag entschieden. Vormittags war es sonnig heiter, nachmittags bewölkt mit Niederschlag. Ein ganz normales Jahr also.

In Bulgarien heißt das Märzamulett "Marteniza", also ebenfalls Märzchen, dort sollen sich Frauen und Männer gegenseitig damit beschenken. In der Moldau und in Bessarabien ebenso (beidseitiges Beschenken), durch die Kommerzialisierung hat man es als Vorgeschmack auf den Frauentag vermarktet, ursprünglich war es nur die weißrote Schnur (soll in Siebenbürgen z.T. noch gängig sein). Aber auch so ist es ein schöner Brauch, der Phantasie in der Herstellung der kleinen Dinger sind keine Grenzen gesetzt.
AntwortenLöschenRumänen und Bulgaren ignorieren sich tatsächlich meistens, aber zumindest den Südrumänen dürfte bekannt sein, dass es den Brauch auch in Bulgarien gibt.
Als ich am 1.März in Kiev umhergesprungen bin, hab ich ein Märzchen von Aljona, einer moldawischen Freundin, erhalten. Ich habe also den rumänischen Frühling von der anderen Seite der Grenze anzulocken versucht. Mist aber auch.
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