Montag, 9. Februar 2009

Kurioses und Kriminelles aus dem Karpatenland

In der staatlichen Radio-Station zu arbeiten, hat vor allem den Vorteil, dass man an der Quelle sitzt, was Neuigkeiten anbelangt. So manches Mal kommt es vor, dass ich kopfschüttelnd mit gehobener Augenbraue die Übersetzungen der Presseschau gegenlese. Hier mal ein paar Schmankerl:


Vor etwa drei Wochen starb ein 62jähriger Mann in einem Krankenhaus in Slatina, im Süden Rumäniens. Doch er starb nicht etwa, weil er eine Operation nicht überlebt, sondern weil man ihn schlicht nicht behandelt hatte. Vier Stunden irrte der Mann durch die Notaufnahme und niemand hielt es für nötig, sich seiner anzunehmen. Der zuständige Arzt zog es vor, sich mit der Behandlung einer kleinen Wunde eins Kommunalpolitikers zu beschäftigen – eine Sache, die auch von Krankenschwester hätte erledigt werden können. Grund dafür: Wer in Rumänien sicher gehen will, dass er eine gute Behandlung bekommt, kalkuliert ein paar Hunderter extra ein, um das minimale Gehalt der Ärzte aufzustocken. Wer kein Geld hat, mit dem er schmieren kann, dessen Behandlung wird auch dürftig ausfallen, sofern sie überhaupt stattfindet. Korruption ist hierzulande nach wie vor das größte Problem. Das Gesundheitsministerium veranlasste die Entlassung aller Verantwortlichen in diesem Fall. Ob das hilft, wage ich zu bezweifeln. Es scheint mir mehr eine Reaktion um ihrer selbst Willen zu sein. Effekthascherei, nach dem Motto: Es muss schnell was getan werden, womöglich ganz laut, damit die Bevölkerung bemerkt, dass die Regierung nicht tatenlos zu sieht. Das System klagt über Schmerzen und die Regierung entschließt diese mit einem Hammerschlag zu betäuben, statt den faulen Zahn zu ziehen.


Anderes Beispiel: Zwei Wochen später redet niemand mehr über die gigantischen Risse im Gesundheitssystem, sondern über die Schwächen der Justiz und Polizei. Nachdem jemand 55 Maschinengewehre aus einem Waffenlager einer Militärbasis in der Nähe von Bukarest gestohlen hatte, wurden zahlreiche potentiell Verantwortliche aus dem Verteidigungsministerium entlassen. Was da genau passiert ist, weiß man bis heute nicht, wenn auch bereits weit über 100 Menschen verhört wurden.


Kurze Zeit später wurden in der Nähe von Brasov zwei Menschen umgebracht. Das seltsame an diesem Doppelmord ist jedoch, dass der Tatverdächtige eigentlich in einem Gefängnis eine Strafe von 15 Jahren absitzen sollte. Doch aus medizinischen Gründen gewährte man ihm vorüber gehend Gefängnisurlaub. Nachdem sein Urlaub abgelaufen war, hatte der Mann wohl einfach vergessen, wieder in den Knast zurück zu kehren. Neuesten Meldungen zu Folge, handelt es sich bei dem Moldawier aber doch nicht um den Täter. Na, Gott sei Dank! Vielleicht haben wir ja Glück und er wird nicht rückfällig. (Ich nehme, man wird nicht für 15 Jahre verknackt, weil man Bonbons geklaut hat.) Ob er bei der Durchsetzung seines Gefängnisurlaubs mit ein paar Scheinchen nachgeholfen hat, weiß man nicht.


Anfang Februar wollten drei Drogendealer, zwei Rumänen und ein Spanier, 1,2 Tonnen reines Kokain in das Land schmuggeln. Das Zeug stammte aus Latein-Amerika und hätte die drei Männer hier zu Millionären gemacht. Da sie beim Verkauf des Stoffs ja ordentlich Geld übrig hätten, wollten sie dem Zollbeamten schon im Voraus etwas von ihrem Vermögen schenken: 20 Tausend Euro. Doch da – und hier scheint die Arbeit der Antikorruptionskommission doch Wirkung zu zeigen – wurde der Beamte stutzig und veranlasste erst recht die Untersuchung des Lastwagens. Die Männer wurden festgenommen und die Drogen konfisziert. Dieser Fall wurde als einziger von den drei zitierten gelöst.


Angesichts dessen, kann man sich denken, dass Politik in Rumänien keinen Spaß macht. Innerhalb von knapp zwei Monaten wurde der Posten des Innenministers dreimal gewechselt. Der erste Innenminister Gabriel Oprea hatte das Amt kurz nach der Bildung der Regierungskoalition wegen Partei interner Differenzen niedergelegt. Abgelöst wurde er von seinem sozialdemokratischen Parteikollegen Liviu Dragnea. Der hatte aber auch nach etwa zwölf Tagen die Schnauze voll, weil ihm das Haushaltbudget für sein Ressort zu klein war. Man kann ja auch nicht unter allen Bedingungen arbeiten. Jetzt hofft das Land auf die letzte Vorstellung im Besetzungszirkus und führt den sozialdemokratischen Vizepremier Dan Nica in das Amt ein. Dieser kennt sich mit den dortigen Gepflogenheiten schon ein bisschen aus, denn er war der Lückenfüller als Oprea das Amt bereits niegergelegt und Liviu es noch nicht aufgenommen hatte. Bleibt also zu hoffen, dass sich Nica im Klaren darüber ist, worauf er sich einlässt.

2 Kommentare:

  1. och ich finde, das klingt doch recht spaßig..erinnert mich doch glatt an den werbeslogan dieses großen joghurt-mit-der-ecke-produzenten: "wer hat noch nicht, wer will nochmal..es wird 'ne wahnsinnsfahrt." yee haaa..

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  2. audrey? karolita in love with audrey...hepburn. jetzt ist es raus.. ;)

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